Lieferketten neu denken: Wie der Mittelstand seine Abhängigkeit von China reduziert
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Lieferketten neu denken: Wie der Mittelstand seine Abhängigkeit von China reduziert

28. Januar 2026
2 Min. Lesezeit

Die Pandemie hat es gezeigt, der Ukraine-Krieg hat es bestätigt: Globale Lieferketten sind verwundbar. Immer mehr Mittelständler diversifizieren ihre Beschaffung – doch der Weg ist steiniger als gedacht.

Das Ende der Sorglosigkeit

Jahrzehntelang galt die Devise: Global beschaffen, lokal produzieren. China wurde zur Werkbank der Welt, und deutsche Unternehmen profitierten von günstigen Preisen und zuverlässigen Lieferungen. Dann kam Corona – und mit ihm die Erkenntnis, wie fragil dieses System ist.

Container, die nicht mehr ankamen. Fabriken, die wochenlang stillstanden. Kunden, die vergeblich auf ihre Bestellungen warteten. Die Bilder aus den Häfen von Shanghai und Los Angeles haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt.

Der schwierige Weg der Diversifizierung

Viele Unternehmen haben daraus Konsequenzen gezogen und begonnen, ihre Lieferketten zu diversifizieren. Doch der Prozess ist komplexer als zunächst angenommen. Alternative Standorte wie Vietnam, Indien oder Mexiko bieten zwar niedrigere Lohnkosten, aber oft nicht die gleiche Infrastruktur und Qualität.

„Wir haben zwei Jahre gebraucht, um einen Zulieferer in Vietnam aufzubauen, der unsere Qualitätsstandards erfüllt", berichtet der Einkaufsleiter eines Elektronikproduzenten aus Bayern. „Das war ein Kraftakt, der sich aber gelohnt hat."

Nearshoring als Alternative

Ein Trend, der an Fahrt gewinnt, ist das sogenannte Nearshoring – die Verlagerung von Produktion in geografisch nähere Regionen. Osteuropa, die Türkei und Nordafrika rücken dabei in den Fokus deutscher Unternehmen.

Die Vorteile liegen auf der Hand: kürzere Transportwege, ähnliche Zeitzonen, geringere kulturelle Unterschiede. Doch auch hier gibt es Herausforderungen: Der Fachkräftemangel macht auch vor diesen Regionen nicht halt, und die politische Stabilität ist nicht überall gewährleistet.

Resilienz kostet Geld

Was bei allen Strategien klar wird: Resiliente Lieferketten sind teurer als optimierte. Wer mehrere Lieferanten aufbaut, Lagerbestände erhöht und lokaler produziert, muss höhere Kosten in Kauf nehmen.

Die Frage, die sich jedes Unternehmen stellen muss: Wie viel ist mir die Sicherheit wert? Die Antwort hängt von vielen Faktoren ab – der Branche, den Produkten, den Kunden. Eines ist jedoch sicher: Die Zeiten der sorglosen Globalisierung sind vorbei.

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