Die Babyboomer-Generation geht in Rente – und hinterlässt eine Lücke, die kaum zu füllen ist. Hunderttausende Unternehmen suchen Nachfolger, doch die Interessenten bleiben aus. Eine Analyse der Ursachen und möglicher Lösungswege.
Eine Generation tritt ab
Es ist eine Zäsur, die sich seit Jahren ankündigt: Die Gründergeneration des deutschen Wirtschaftswunders erreicht das Rentenalter. Laut KfW-Mittelstandspanel planen in den kommenden fünf Jahren rund 600.000 Unternehmer, ihr Unternehmen zu übergeben. Doch für jeden dritten Betrieb gibt es keinen geeigneten Nachfolger.
Die Zahlen sind alarmierend, die Konsequenzen weitreichend. Wenn Unternehmen mangels Nachfolge schließen müssen, gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren – es verschwindet auch Wissen, das über Jahrzehnte aufgebaut wurde.
Das Dilemma der Familienunternehmen
Traditionell wurde die Nachfolge innerhalb der Familie geregelt. Der Sohn oder die Tochter übernahm das Lebenswerk der Eltern, führte es in die nächste Generation. Doch dieses Modell funktioniert immer seltener.
„Meine Kinder haben studiert, leben in Berlin und haben ihre eigenen Karrieren", erzählt ein 67-jähriger Unternehmer aus dem Ruhrgebiet. „Ich kann und will sie nicht zwingen, das Unternehmen zu übernehmen. Aber was passiert dann mit meinen 80 Mitarbeitern?"
Alternative Wege der Nachfolge
Wo die familieninterne Lösung nicht funktioniert, rücken andere Optionen in den Fokus. Der Verkauf an einen externen Investor ist eine Möglichkeit, birgt aber Risiken: Nicht jeder Käufer hat das Interesse, das Unternehmen langfristig weiterzuführen.
Eine zunehmend beliebte Alternative ist das Management-Buy-out, bei dem langjährige Führungskräfte das Unternehmen übernehmen. Sie kennen den Betrieb, haben das Vertrauen der Belegschaft und sind oft bereit, das unternehmerische Risiko zu tragen.
Was die Politik tun könnte
Experten fordern seit Jahren bessere Rahmenbedingungen für Unternehmensübergaben. Die steuerliche Behandlung von Betriebsvermögen, die Erbschaftsteuer und die Finanzierungsmöglichkeiten für Nachfolger sind zentrale Stellschrauben.
Doch auch die Unternehmer selbst sind gefordert: Wer die Nachfolge zu spät plant, hat am Ende keine Optionen mehr. Die Empfehlung der Berater ist eindeutig: Mindestens fünf Jahre vor dem geplanten Ausstieg sollte der Prozess beginnen.
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